Die Geschichte von Goldhöft
Lage und Name
Goldhöft liegt im Osten der Halbinsel Angeln und gehört zur Gemeinde Gelting an der Geltinger Bucht der Ostsee. Der Ort trägt auch einen dänischen Namen: Guldhoved, teils auch als Goldhøft überliefert. Dies erinnert an die jahrhundertelange dänisch-deutsche Sprachgeschichte der Region.
Frühe Spuren: von der Bronzezeit bis zu den Wikingern
Die Gegend um Goldhöft war schon lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung besiedelt. Nordöstlich von Goldhöft, bei Basrott, wurden Siedlungsspuren aus der Bronzezeit gefunden. Reste von Öfen, Feuerstellen und Pfosten sowie bearbeitete Feuersteine belegen eine frühe landwirtschaftliche Nutzung.
Auch die für Angeln typischen Dörfer mit der Endung „-by“ und altnordischen Personennamen entstanden vermutlich zwischen etwa 800 und 1050, in der Zeit der Wikinger. Das benachbarte Nieby geht wahrscheinlich auf eine solche frühe Gründung zurück.
Gelting und die Zeit der Gutsherrschaft
Goldhöft ist historisch eng mit dem Kirchspiel und der späteren Gemeinde Gelting verbunden. Der Ortsname Gelting weist auf ein hohes Alter hin und dürfte bis in die Zeit der Besiedlung durch den Volksstamm der Angeln zurückreichen. Das Umland wurde einst als „silva gelting“, Geltinger Wald, bezeichnet. Ortsnamen auf „-rott“, „-rode“ oder „-holz“ erinnern noch heute an die Rodungszeit.
Gelting wurde 1231 im Erdbuch König Waldemars II. erstmals als „Gyaelting“ schriftlich erwähnt. Das Gut Gelting gehörte zu den bedeutenden Besitzungen im Herzogtum Schleswig. 1494 wurde es zu einem adeligen Gut, als König Johann es der Familie Ahlefeldt überließ. Von da an prägte der Adel den östlichen Teil Angelns und damit auch das Umland von Goldhöft.
Goldhöft in dänischen und skandinavischen Quellen
Angeln gehörte über Jahrhunderte zum Herzogtum Schleswig unter dänischer Krone. Diese Geschichte zeigt sich bis heute in den Ortsnamen. Auf Dänisch heißt Goldhöft „Guldhoved“, teils auch „Goldhøft“. Das dänische Wort „hoved“ bedeutet Kopf oder Landzunge und entspricht dem deutschen „Höft“, wie bei den Nachbarorten Falshöft und Nadelhöft.
Goldhöft ist zusammen mit der Flurstelle „Guldhovedknub“ in zwei bedeutenden dänischen Standardwerken zur Topografie Schleswigs aus dem Jahr 1864 verzeichnet: in Mørk Hansens und Nielsens Kirkelig Statistik over Slesvig Stift sowie in Jens Peter Traps Statistisk-topographisk Beskrivelse af Hertugdømmet Slesvig. Beide Werke erschienen im Jahr des Zweiten Schleswigschen Krieges, kurz bevor die Region zunächst unter preußisch-österreichische und später unter preußische Verwaltung kam.
Das Kirchspiel Gelting, zu dem Goldhöft zählt, gehörte ursprünglich zur Ny Herred im Amt Flensburg, später zum Adelsgutsbezirk Angeln und ab 1853 zur Kappel Herred. Nach der Volksabstimmung von 1920, durch die die deutsch-dänische Grenze weiter nördlich neu gezogen wurde, blieb Gelting mit Goldhöft auf deutscher Seite.
Die Landschaft Angeln gilt als Ursprungsgebiet der Angeln, die der römische Geschichtsschreiber Tacitus um das Jahr 98 in seiner Germania erwähnte. Ab dem 5. Jahrhundert wanderten Teile der Angeln nach Britannien aus und gaben England seinen Namen. Dieser Zusammenhang bezieht sich nicht unmittelbar auf Goldhöft, verortet den Ort aber in einer Landschaft von weltgeschichtlicher Bedeutung.
Landgewinnung und Deichbau im 19. Jahrhundert
Ab 1820 wurden Teile des Geltinger Noors und des Beveroer Noors eingedeicht, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Zwischen dem Goldhöftberg und der Südküste bei Beveroe entstand ein Deich durch das Noor. Windmühlen zur Entwässerung wurden 1824 und 1832 errichtet. Ihre Fundamente und eine alte Schleuse sind bei der Vogelwartshütte teilweise bis heute erhalten. Nach einem Wassereinbruch 1835 und einem Deichbruch während einer schweren Sturmflut 1871 konnte das aufwendige Landgewinnungsprojekt schließlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Sturmflut von 1871 ist auch für Goldhöft selbst ein wichtiges Datum. Die alte Hofstelle des heutigen Anwesens Goldhöft 7 wurde laut der Geltinger Chronik in diesem Jahr erstmals verkauft und war damals bereits mehr als 150 Jahre alt. Das ursprüngliche Gebäude wich später einem Neubau, der äußerlich einem reetgedeckten Angeliter Bauernhaus nachempfunden wurde.
Goldhöft heute
Goldhöft ist bis heute ein kleines und ruhiges Dorf geblieben. Die landwirtschaftliche Prägung der Umgebung hat dazu beigetragen, dass viel ursprüngliche Natur erhalten blieb. Der Ort liegt unmittelbar am Geltinger Noor und am Nordschauwald, in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Geltinger Birk mit seinen frei lebenden Wildpferden. Das Gebiet ist ein beliebtes Ziel für Wanderungen und Radtouren. Gelting ist gut einen Kilometer entfernt und bequem zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar.
Historische Standardwerke
Wer tiefer in die dänischsprachige Überlieferung einsteigen möchte, findet Goldhöft beziehungsweise Guldhoved in zwei zentralen Nachschlagewerken zur Topografie des Herzogtums Schleswig:
- M. Mørk Hansen und C. L. Nielsen: Kirkelig Statistik over Slesvig Stift, med historiske og topografiske bemærkninger, Band 2, Kopenhagen 1864, Seite 296.
- Jens Peter Trap: Statistisk-topographisk Beskrivelse af Hertugdømmet Slesvig, Kopenhagen 1864, Seite 636. Dort erscheint der Flurname „Guldhoved med Guldhovedknub“ im Kirchspiel Gelting.
Das Werk von Trap ist beim schwedischen Digitalisierungsprojekt Project Runeberg als Scan mit OCR-Text frei zugänglich. Eine gesicherte Erklärung dafür, weshalb der Bestandteil „Gold“ im Ortsnamen vorkommt, ist bislang nicht belegt. Für eine verlässliche Namensdeutung bieten sich das Institut for Navneforskning der Universität Kopenhagen oder das Kreisarchiv Schleswig-Flensburg als Anlaufstellen an.
Quellen und weiterführende Literatur
- Hans Nicolai Andreas Jensen: Geschichte des Kirchspiels Gelting, in: Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg und der angrenzenden Länder und Städte, Band 3, Altona 1837, Seiten 1–98.
- Peter Schwennsen und Johannes Jürgensen: Die Chronik des Kirchspiels Gelting, Gelting 1972.
- Heinz von Hobe und Gretl Zielinski: Chronik II des Kirchspiels Gelting, Gelting 1987.
- Wolfgang Jonas und Sandra Asmussen: Historische Bilder aus Angeln, Band II – Kirchspiel Gelting, 2022, mit einem Kapitel zu Wackerballig und Goldhöft.
- Gemeinde Gelting, Rubrik „Historie“, sowie die mehrteilige Geschichte der Geltinger Birk.
Eigene Familien- und Hofforschung
Für die Erforschung einzelner Höfe und Familien bieten sich die Kirchenbücher des Kirchspiels Gelting sowie dänische Volkszählungen an. Kirchenbücher sind unter anderem über Archion zugänglich. Volkszählungen für das Kirchspiel Gelting liegen beispielsweise für 1803, 1835, 1840, 1845, 1855 und 1860 vor und können über das dänische Rigsarkiv recherchiert werden. Ergänzend helfen die historische Kartendatenbank DigDag und die genealogische Datenbank FamilySearch.
Hinweis: Historische Fotos aus Büchern, Archiven oder anderen Webseiten dürfen nur mit Erlaubnis der jeweiligen Rechteinhaber veröffentlicht werden.